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Ableitstromprüfung

Die Ableitstromprüfung ist ein essenzieller Baustein im Rahmen der elektrischen Sicherheitsprüfung und trägt maßgeblich zum Schutz von Menschen und Geräten bei. Fachgerechte Durchführung und Interpretation der Messergebnisse durch qualifiziertes Personal sind dabei unverzichtbar. 

Die Ableitstromprüfung ist ein zentraler Bestandteil der Sicherheitsbewertung elektrischer Geräte, Baugruppen und Systeme. Sie gewährleistet, dass elektrische Einrichtungen den geltenden Sicherheitsnormen entsprechen und keine Gefahr für Personen oder Sachwerte darstellen. Eingesetzt wird diese Prüfung sowohl im Elektrolabor, an Montagearbeitsplätzen als auch in automatisierten Testsystemen. Hierbei wird überprüft, ob der sogenannte Ableitstrom – also der über Isolation oder Schutzleiter fließende Strom – innerhalb der normativ zulässigen Grenzwerte liegt. 

Ziele und Prüfparameter 

Die Prüfung verfolgt primär drei sicherheitsrelevante Ziele: 

  • Nachweis der Schutzmaßnahmen gegen elektrischen Schlag: 
    Die Messung stellt sicher, dass Schutzmaßnahmen wie die Basisisolierung (Schutz gegen direktes Berühren) und die Schutzisolierung (bei indirektem Berühren) wirksam sind. Dies verhindert Gefährdungen durch ungewollte elektrische Berührungen. 
  • Beurteilung des Ableitstromniveaus: 
    Es wird überprüft, ob der durch die Isolation fließende Strom unterhalb der in den Normen festgelegten Grenzwerte liegt. Ein zu hoher Ableitstrom kann auf Defekte wie beschädigte Isolation, Verschmutzungen oder fehlerhafte Verdrahtung hindeuten – potenzielle Risiken für Stromschlag oder Brandauslösung. 
  • Bewertung des Isolationszustands und der Schutzleiterverbindung: 
    Die Prüfung erlaubt Rückschlüsse auf Alterungserscheinungen, mechanische Schäden oder Fertigungsfehler, die die elektrische Sicherheit gefährden könnten. 

Messgrößen im Fokus 

Es werden insbesondere zwei Stromarten gemessen: 

  • Schutzleiterstrom: 
    Dieser Strom fließt über den Schutzleiter zur Erde und betrifft Geräte der Schutzklasse I. Die Messung kann direkt erfolgen, über eine Differenzstrommessung oder das sogenannte Ersatzableitstromverfahren. 
  • Berührungsstrom: 
    Relevant vor allem für Geräte der Schutzklasse II, misst dieser Strom die potenzielle Stromstärke, die über eine Person zur Erde fließen könnte, wenn berührbare leitfähige Teile nicht geerdet sind. 

Normative Vorgaben und Grenzwerte 

Die Ableitstromprüfung erfolgt in der Regel nach den Normen DIN VDE 0701-0702 bzw. EN 50699, ergänzt durch spezifische Normen abhängig von Gerätetyp und Einsatzgebiet. Typische Grenzwerte für den Schutzleiterstrom liegen bei 3,5 mA, können jedoch bei bestimmten Gerätegruppen – etwa bei elektrischen Wärmegeräten – auf bis zu 10 mA ansteigen. Für den Berührungsstrom gelten strengere Anforderungen, insbesondere bei Geräten ohne Schutzleiteranschluss. 

Prüfablauf 

Der standardisierte Prüfprozess gliedert sich wie folgt: 

  • Anschluss des Prüfgeräts gemäß Normvorgaben und Geräteeigenschaften. 
  • Betrieb des zu prüfenden Geräts mit Nennspannung, gegebenenfalls erhöht um 10 %. 
  • Prüfung aller relevanten Betriebszustände und Schalterstellungen, da sich der Ableitstrom abhängig von der Gerätekonfiguration ändern kann. 

Vergleich der gemessenen Werte mit den zulässigen Grenzwerten. Wird ein Grenzwert überschritten, deutet dies auf einen sicherheitsrelevanten Mangel hin, der einer technischen Bewertung und gegebenenfalls einer Instandsetzung bedarf. 

Ableitstromprüfungen sind für Geräte der Schutzklasse I und II vorgeschrieben, um die Einhaltung der elektrischen Sicherheitsnormen zu gewährleisten. Die Prüfungen unterscheiden sich je nach Schutzklasse und folgen spezifischen VDE-Normen. 

Geräte der Schutzklasse I 

  • Prüfgegenstand
    Geräte mit metallischen Gehäusen oder berührbaren leitfähigen Teilen, die über einen Schutzleiter angeschlossen sind (z. B. Werkzeugmaschinen, Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen). 
  • Geprüfte Parameter
    • Schutzleiterstrom: Der Strom, der über den Schutzleiter zur Erde abfließt. 
    • Schutzleiterwiderstand: Maximal 0,3 Ω für Leitungen bis 5 m Länge (mit Toleranzen für längere Leitungen). 
    • Ableitstromgrenzwert: Typisch 3,5 mA, bei leistungsstarken Geräten (z. B. Heizgeräten) bis 10 mA

Geräte der Schutzklasse II 

  • Prüfgegenstand
    Schutzisolierte Geräte ohne Schutzleiter, aber mit berührbaren Teilen (z. B. Handbohrmaschinen, Haartrockner). 
  • Geprüfte Parameter
    • Berührungsstrom: Der Strom, der beim Kontakt mit geerdeten Objekten fließen könnte. 
    • Grenzwert: Maximal 0,25 mA (harmloser, aber spürbarer Wert). 

Relevante VDE-Normen 

1. DIN EN 50678 (VDE 0701): Regelt die Prüfung nach Reparatur oder Änderung von Geräten. Sie definiert Messungen des Schutzleiterwiderstands, Isolationswiderstands und Ableitströme. 

  • Gilt für Geräte mit Bemessungsspannung >25 V AC/60 V DC bis 1000 V AC/1500 V DC. 

2. DIN EN 50699 (VDE 0702): Legt Anforderungen für wiederkehrende Prüfungen fest, einschließlich Sichtprüfung, Schutzleiterwiderstand und Ableitstrommessung. 

  • Ausnahmen: Medizingeräte, Ladestationen für E-Mobilität, Maschinen. 

3. DGUV Vorschrift 3: Verweist auf die DIN VDE 0701-0702 für die Prüfung ortsveränderlicher Geräte und fordert die Dokumentation der Ergebnisse. 

Prüfverfahren im Überblick 

Schutzklasse Prüfparameter Norm Grenzwerte 
I Schutzleiterstrom VDE 0701, VDE 0702 ≤3,5 mA (bis 10 mA) 
II Berührungsstrom VDE 0701, VDE 0702 ≤0,25 mA 

Die Prüfung erfolgt mit einem Ableitstromprüfgerät, das den Prüfling unter Nennspannung (+10%) betreibt und alle Betriebszustände berücksichtigt. Überschreitungen der Grenzwerte deuten auf Isolationsfehler, Verschmutzung oder defekte Schutzleiter hin und erfordern eine Nachbesserung. 

 

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